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Vorsicht Satire: Nein, so war das ganz bestimmt nicht!

Der Minister hatte Sorgen: Eine Mehrheit zeichnete sich ab, eine fatale Mehrheit, die einen Grundwert der Republik gefährdete. Der Minister rief seine besten Leute zur Beratung zusammen. Wie könnte es noch gelingen, diesen Grundwert zu schützen? Die gefährliche Verordnung war zwar noch nicht bis ins Letzte ausformuliert, aber der Auftrag aus den legislativen Gremien an das Ministerium war erteilt. Was tun?

„Es gäbe da schon noch eine Möglichkeit“ flüsterte der erfahrenste Jurist: „Eine kleine Schludrigkeit, ein Formfehlerchen, ein Versehen bei der Formulierung des Verordnungstextes – das fällt vielleicht vor der Schlussabstimmung nicht auf. Und dann könnte man einige Monate später… - leider, leider … das ganze wieder einkassieren müssen.“ Der Minister klopfte dem Mann auf die Schulter.

Nein, so war das ganz bestimmt nicht. Es ging ja auch gar nicht um einen Grundwert der Republik. Es ging nur um schärfere Regeln gegen überhöhte Geschwindigkeiten im Straßenverkehr. Und ein deutsches Ministerium produziert selten fehlerhafte Texte, schon gar keine geplant fehlerhaften.

Es bleibt ein ungelöstes Rätsel, wie so etwas passieren konnte. Der Minister ist deshalb auch so schwer bekümmert.

Bernhard Suttner


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